Der menschliche Körper als Gefäß, dessen Inhalt nicht nur aus Knochen, Muskeln und Innereien besteht, sondern den wir mit unserer ganzen Persönlichkeit füllen und erst zu Leben erwecken, wird in dem folgenden Zitat aus dem Buch »Amrita« der japanischen Schriftstellerin Banana Yoshimoto beschrieben:

Der Liebhaber ihrer Protagonistin, deren äußerliche Veränderung nach einem Unfall auch mit einer inneren Wandlung einhergegangen war, sagt zu ihr:

»Wenn ich mir so ansehe, wie du dich laufend veränderst, muß ich immer wieder feststellen, wie sehr der Mensch einem Gefäß ähnelt, wirklich. Ein Gefäß, dessen Inhalt jederzeit veränderlich, austauschbar ist. So ist auch der Mensch in der Lage, ein anderer zu werden. Das Prinzip ist gleich: Du gehst deinen Weg und die Fügungen des Schicksals sorgen zwar dafür, dass du immer wieder Neues hineintust, aber ganz unten, auf dem Boden unter diesem sich ständig wandelnden Inhalt, bleibt das Gefäß letztlich doch dasselbe, da liegt die ‚Sakumi’, die du immer bleiben wirst, das, was man vielleicht ‚Seele’ nennen könnte, und nur das allein ändert sich erstaunlicherweise nicht, es bleibt immer da, nimmt alles auf, versucht sich zu freuen. Wenn ich daran denke, dass das immer dasein wird, bis du stirbst, bin ich so gerührt, irgendwie so schmerzlich berührt, dass ich nicht mehr ein noch aus weiß!«

(aus dem Katalog zur Ausstellung »corporal identity – Körpersprache«, 9.Triennale für Form und Inhalte, USA – Deutschland; Aufsatz von Ellen Rehm »Das Gefäß als Topos in Schöpfungsmythen«, S.63)